Gestalterin mit Erfahrung und Weitblick

Der Sommer 2026 markiert einen besonderen Moment in der Geschichte der EMS Schiers; Erstmals übernimmt eine Frau die Leitung unserer 1837 gegründeten Schule. Franziska Eucken bringt langjährige Erfahrung aus Bern, Solothurn, Zug und Glarus mit nach Schiers. Zeit, die neue Direktorin kennenzulernen.

Liebe Franziska, herzlich willkommen an der EMS Schiers. Du hast die Leitung der EMS Schiers diesen Sommer übernommen. Ein Schritt, der auch einen Umzug nach Graubünden bedeutete. Was hat dich an dieser Aufgabe besonders gereizt?

Dass die EMS Schiers ihre beeindruckende Tradition mit einer ebensolchen Innovationskraft verbindet, mit der sie vorausschauend und professionell ihre Bildungs- und Förderangebote für junge Menschen weiterentwickelt. In der Organisation und in den Prozessen ist sie einer zeitgemässen Schulführung und -entwicklung verpflichtet. Zugleich lebt sie eine Kultur des Miteinanders, die eine starke, engagierte Gemeinschaft schafft. Teil davon zu werden und zu sein und sie mitzugestalten, ist eine sehr attraktive Perspektive für mich.

Wir möchten dich gerne etwas besser kennenlernen. Wer ist Franziska Eucken ausserhalb der Schule?

Schon sehr lange begleiten mich meine Geige und Bratsche, die ich in Kammermusikensembles von begeisterten Laien gespielt habe, aber auch projektartig in verschiedenen Orchestern. Aktuell spiele ich Bratsche im Glarner Kammerorchester und hoffe, dass ich zumindest beim aktuellen Konzertprojekt noch dabei sein kann. Ich bin viel gewandert und habe so zum Kanton Graubünden schon seit meiner frühen Kindheit einen besonderen Bezug: Ferien in Arosa in meiner Kindheit und Jugend, mit meinem Mann gehe ich schon über dreissig Jahre regelmässig ins Oberengadin und in das Val Müstair. Immer mal wieder machen wir auch Kurzferien in Chur und geniessen nicht nur das reiche kulturelle Angebot der Stadt, sondern nehmen sie auch als Ausgangspunkt für Tagesausflüge. Auch da sind die Möglichkeiten fast unendlich. Nun gilt es, von der Touristin – die ich trotzdem auch noch bleiben werde; die Sommerferien im Val Müstair sind schon wieder gebucht – zur Einwohnerin zu werden.

Ich lese sehr gerne (vor allem deutsche und französische Literatur), interessiere mich für Kunst und geniesse es, Städtereisen zu machen, Museen zu besuchen oder in Konzerte zu gehen. Ich koche gerne für Freunde, mag Diskussionen zu gesellschaftlichen und politischen Themen. Und zur Entspannung schaue ich auch mal einen Film oder höre Musik.

Deine berufliche Laufbahn hat dich bereits in verschiedene Schweizer Kantone gebracht, zuletzt nach Glarus an die Kantonsschule. Was nimmst du von dort mit, was für die EMS Schiers wertvoll sein könnte?

Zunächst einmal: Erfahrung. Dabei meine ich nicht nur jene in den Kerngeschäften der Schulführung. Jede Schule hat – auch wenn dieselben übergeordneten Bildungsziele bestehen – eine andere Kultur und steht in einem eigenen gesellschaftlichen Umfeld. Als Lehrerin in den Kantonen Bern, Solothurn, Zug und Glarus und in insgesamt neun Jahren als Schulleiterin an zwei Gymnasien habe ich verschiedene Schulkulturen und Organisationsformen kennengelernt: Lehrerin oder Schulleitungsmitglied an einer sehr grossen Schule wie der Kantonsschule Zug zu sein ist etwas anderes als an einer eher kleinen, überschaubaren und zudem im Kanton einzigen wie der Kanti Glarus. Dort sind die Wege zu Behörden, Politik und Bevölkerung kurz und der Kontakt persönlich. Die Mentalitäten sind unterschiedlich, der Stellenwert der Mittelschulen und die Erwartungen an sie ebenso. Ich konnte mir so auch ein grosses Netzwerk aufbauen, nicht nur mit vielen Schulleiter:innen anderer Schulen, sondern auch Vertreter:innen von Behörden, Universitäten und Hochschulen sowie auch aus Kultur und Politik.

Erfolgreiche berufliche Wechsel erfordern eine grosse Bereitschaft, sich schnell in neue Verhältnisse einzuarbeiten und offen zu sein für andere Menschen, Herangehensweisen und Traditionen.

Welche Werte sind dir in der Schulführung besonders wichtig?

Mir ist es ein grosses Anliegen, dass die Schüler:innen gut und solide vorbereitet sind für die Fortsetzung ihrer Ausbildung an weiterführenden Schulen und ihre gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen, wenn sie die EMS Schiers abschliessen. Das ist der Grund, weshalb es die EMS Schiers gibt und wir alle hier arbeiten. Ein gutes Schulklima, die Schule als ein Ort, an dem wir zusammen lernen, arbeiten, füreinander da sind, einander wahrnehmen und respektieren, an dem wir gerne sind, all das ist mir wichtig. Man lernt nicht nur für die Zukunft, sondern lebt auch im Augenblick. Und mit einer Prise Humor geht alles leichter.

Mir sind Fairness und Verantwortung für das eigene Handeln, Verlässlichkeit und das daraus entstehende Vertrauen, gegenseitiger Respekt und Unterstützung sehr wichtig. Eine gute Kommunikation und eine offene Diskussionskultur sind ebenfalls zentral. Ich bin ein Fan von Pro und Contra, weniger vom Moralisieren in den Kategorien Gut und Böse. Andere Meinungen zu respektieren und im Gespräch zu bleiben, ist mir ein Anliegen und das erwarte ich von allen Schulangehörigen.

Welche Entwicklungen im Bildungsbereich beschäftigen dich aktuell am meisten?

Es ist zum einen das, was alle Schweizer Gymnasien beschäftigt: Die Umsetzung der Reform des Maturitätslehrgangs. Sehr viel an Vorbereitung ist bereits gemacht – im Kanton Graubünden m. E. vorbildlich einerseits durch die Koordination des Amtes für Höhere Bildung (AHB) sowie durch die enge Zusammenarbeit aller Gymnasien und ihrer Lehrpersonen und Schulleitungen. Aber einiges ist auch in diesem Schuljahr noch zu tun, damit der erste Jahrgang im August 2028 starten kann. Daneben gibt es die grossen Themen, welche nicht nur die Schulen, sondern die ganze Gesellschaft beschäftigen: die Digitalisierung im weitesten Sinn vom Einsatz digitaler Geräte und generativer KI bis zur Frage, welche Fähigkeiten und Fertigkeiten unsere Absolvent:innen mitbringen müssen, um in der sich wandelnden beruflichen und gesellschaftlichen Welt ihren Weg finden und resilient sein zu können.

Noch ein paar kurze Fragen:

Womit kann man dir die grösste Freude machen?

Ich habe es eher wenig mit Superlativen. Es gibt sehr vieles, darunter das Zusammensein mit interessanten Menschen, ein offenes Gespräch, in dem ich von meinem Gegenüber etwas Unerwartetes und Persönliches erfahre.

Was darf bei dir im Rucksack nie fehlen?

Mein GA.

Was war dein letzter Ohrwurm?

Der zweite Satz, «Andante, ma non troppo», aus dem ersten Streichsextett op. 18 von Johannes Brahms in der Aufnahme mit Pablo Casals.

 

Herzlichen Dank für das aufschlussreiche Gespräch. Wir wünschen Franziska Eucken einen guten Start an der EMS Schiers und freuen uns auf eine inspirierende Zusammenarbeit.

 

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