Mit dem Einbruch des Herbstes wurde an den Abenden des 23., 24. und 25. Septembers die neue Produktion des Theaterensembles der EMS Schiers aufgeführt. Unter der Leitung von Ursina Hartmann entstand dieses Jahr eine Doppelproduktion. Mit den beiden satirischen Stücken «Der Weltuntergang» und «Der Lechner Edi schaut ins Paradies» von Jura Soyfer bewies die jährlich wechselnde Theatergruppe erneut das hohe Niveau der schauspielerischen Leistungen der Schülerinnen und Schüler.
Schnell verstummte das Publikum, als die Lichter ausgingen und es sich mitten im Weltraum befand. Die Lacher, welche die anfängliche Stille unterbrachen, zeigten, dass «der Weltuntergang» trotz seines dramatischen Titels auch mit Humor genommen wurde. In der Rolle des vor dem Weltuntergang warnenden Professors brachte Lorenz Baumann die Ironie eines eben solchen Untergangs auf den Punkt. Mit einer Kombination aus Wehrlosigkeit und gleichzeitig vorhandenem Optimismus versuchte er sich im ersten Stück gegen das kapitalistisch-faschistische System zu wehren und den Weltuntergang zu verhindern. Im zweiten Stück überzeugte Elia Ingellis in der Rolle des Lechner Edis. Er verkörperte gekonnt den unwissenden Arbeitslosen, der den Fortschritt für seine Arbeitslosigkeit verantwortlich macht,.Auch Jana Hofmann und Mathilda Luzi zeigten in beiden Stücken mit ihren teils kleineren, aber nicht weniger wichtigen Rollen ihr schauspielerisches Können.
Die musikalischen Elemente trugen wesentlich zur besonderen Stimmung der Aufführungen bei. Sei es eine Gesangseinlage von Sofia Giger und Haneen Wyss, ein Handorgel-Solo von Laurin Rupf oder ein Ensemble mit Geige (Sophie Huyssen), Saxofon (Lorenz Baumann), Gitarre (Laurin Rupf) und Cello (Fanny Bardill) – alle musikalischen Beiträge begeisterten das Publikum und schufen eine passende Atmosphäre für die Stücke.
Die Liebe zum kleinsten Detail war förmlich greifbar. Die klassischen Kostüme wirkten fantastisch, man fühlte sich sofort in eine andere Zeit versetzt. Die farbigen Elemente der Kostüme harmonierten mit dem schlichteren Bühnenbild und schufen ein stimmiges Gesamtbild. Der klare Höhepunkt war das von der Gruppe selbstgemachte Kostüm des Motors «Pepi» (gespielt von Frida Ensmann). Damit verkörperte Frida Ensmann überzeugend das Bild einer lebendigen und freundlichen Maschine.
Ist es dem Menschen möglich, im aktuellen gesellschaftlichen System «edel, hilfreich und gut» zu sein? Die Inszenierung der beiden ikonischen Stücke stellt diese hochaktuelle Frage nach dem Zustand des gesellschaftlichen Systems, in dem Menschen zu Raubtieren werden, um zu überleben. Soyfer lässt eine klare Antwort in beiden Stücken offen. Mit dem Schluss des zweiten Stückes wird jedoch eine mögliche Lösung aufgezeigt: die Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse, um die Welt zu sozialisieren und dem Menschen eine Chance zu geben, dem goetheschen Ideal näherzukommen. Doch dazu muss er kämpfen. Zwei humorvolle und doch tiefgründige Darbietungen, die auch 90 Jahre nach ihrer Entstehung nicht an Bedeutung verloren haben.
Text: Carlo Roffler
Schauspielerinnen und Schauspieler
Fanny Bardill, Lorenz Baumann, Frida Ensmann, Sofia Giger, Jana Hofmann, Sophie Huyssen, Elia Ingellis, Matilda Luzi, Laurin Rupf und Haneen Wyss.
Mitwirkende
Regie / Ausstattung: Ursina Hartmann
Musik: Laurin Rupf, Frida Ensmann, Lorenz Baumann, Sophie Huyssen, Elia Ingellis, Fanny Bardill
Licht / Ton: Reto Müller
Schreinerei: Joel Ritter
Technik: Michael Künzler
Grafik: Daniel Rohner